Wie gefährlich ist die Schweinegrippe?

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Regelmässig treten "Seuchen", wie derzeit die Schweinegrippe auf. Oft sind Sie hausgemacht, denn z.B. Sie entstehen in dichten Bevölkerungsgebieten mit entsprechenden hygienischen Bedingungen und/oder durch fahrlässiges Handeln von Wirtschaftsakteuren. In der jüngeren Vergangenheit lassen sich hier die Vogelgrippe (2005) und BSE (2000) nennen und die Schweinegrippe wird jetzt oft mit der spanische Grippe von 1918 verglichen.

Um die Gefährlichkeit der Schweinegrippe einzuschätzen zu können, kann man sich der Wahrscheinlichkeitsrechnung bedienen. Nach Laplace ist die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Ereignisses

P(A) = \frac{\mbox{Anzahl der Elementarereignisse, bei denen A eintritt}}{\mbox{Anzahl aller moeglichen Elementarereignisse}}

und demzufolge ergibt sich

\mbox{Gefaehrlichkeit von A} = P(\mbox{Man stirbt an A})= \frac{\mbox{Anzahl der Todesfaelle wegen A}}{\mbox{Anzahl der gefaehrdeten Personen}}.

Es ist offensichtlich, dass die Gefährlichkeit von der Anzahl der Todesfälle und von der Anzahl der gefährdeten Personen abhängt. Beide Werte sind jedoch meist nur ungenau bekannt. Die nächste Frage, die sich stellt: Was sind gefährdete Personen? Sind es Erkrankte? Oder sind es alle Personen, die möglicherweise erkranken könnten? Je nach Definition ergeben sich deutlich unterschiedliche Werte.

Man kann jedoch versuchen einige Abschätzungen machen:

Spanische Grippe
Bei der spanischen Grippe wird eine Wahrscheinlichkeit von ca. 2,5% angenommen, dass man stirbt, wenn man an ihr erkrankt. Da es weder genaue Zahlen gibt über die Anzahl der Todesopfer noch genaue Zahlen über die Anzahl der Erkrankten ist jedoch eine Abschätzung schwierig. Die Infektionsrate wird auf 40% geschätzt, demzufolge kommt man auf eine Todeswahrscheinlichkeit von 2,5% (wenn man erkrankt ist) oder 1% (bezogen alle Menschen, erkrankt oder nicht).
BSE
Da BSE und sein vermutliches menschliches Pedant Creutzfeldt-Jakob-Krankheit fast immer tödlich verlaufen ist hier die Wahrscheinlichkeit sehr hoch. Unbekannt ist jedoch wieviele Menschen bei normalen Verzehr von Rindfleisch an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit erkranken. In Grossbritannien sind bis April 2009 knapp 1400 (definitive und vermutete) Todesfälle aufgeführt (1990-2009). Bei ca. 60 Mio. Einwohnern ergibt also derzeit ein Gefährlichkeit von 100% (bezogen auf Erkrankte) oder 0,0025% bezogen auf die Gesamtbevölkerung.
Vogelgrippe
In der deutschen Wikipedia werden insgesamt 421 Erkrankungsfälle angegeben und 257 Todesfälle (2003-2009). Damit ergibt sich jedoch eine Wahrscheinlichkeit von 61% zu sterben, wenn man an der Vogelgrippe erkrankt. Zieht man die Bevölkerungszahlen der Länder heran in denen Erkrankungen aufgetreten sind, so ergeben sich ca 2.5 Mrd. Menschen und damit eine Wahrscheinlichkeit von 0,00001% an der Vogelgrippe zu sterben (bezogen auf die Bevölkerungszahl).
Verkehrs- und Grippetote in Deutschland
Seit Jahren ist die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland rückläufig. Für 2008 wurden nur noch knapp 4500 Verkehrstote gezählt. Da praktisch fast die gesamte Bevölkerung am Verkehr teilnimmt, liegt die Wahrscheinlichkeit an einem Verkehsunfall zu sterben bei ca. 0,0056%. Übrigens, die Zahl der Grippetoten jedes Jahr in Deutschland wird von Robert-Koch-Institut auf ca. 5000 bis 15000 geschätzt.

Die Auflistung weist auch noch auf weiteres Problem hin: die Zahlen beziehen sich in der Regel auf verschiedene Zeiträume (Spanische Grippe 1918-1920, Creutzfeld-Jakob 1990-2009, Vogelgrippe 2003-2009, Verkehrstote nur 2008). Zur Vergleichbarkeit der Wahrscheinlichkeiten müsste man auch die Zeiträume berücksichtigen und dann ergibt sich etwa

Spanische Grippe (ca. 1:1.000) > Normale Grippe/Verkehrstote (ca. 1:10.000) > BSE (ca. 1:100.000) >> Vogelgrippe (ca. 1:100.000.000)

Selbst diese kurze Analyse zeigt die Schwierigkeit auf, die Gefährlichkeit vergangener und gegenwärtigen Krankheiten bzw. Verkehrsrisiken einzuschätzen. Bestenfalls ist eine sehr grobe (wie vor) Einordnung möglich. Trotzdem zeigt die Einstufung den Unterschied zwischen der realen Gefährlichkeit und der Gefährlichkeit in der öffentlichen Wahrnehmung auf.

Basierend auf der Zahl der bisherigen Krankheitsfälle und Todesfälle (die auch gerade in Mexiko herunter korrigiert wurden, Stand: Mai 2009) ist die Schweinegrippe vermutlich eher ähnlich wie die Vogelgrippe einzustufen. Genau lässt es sich dies jedoch frühstens in einem Jahr sagen.