Benzinpreise und Schulferien in Deutschland - Besteht ein Zusammenhang?

From Teachwiki
Jump to: navigation, search

Einleitung[edit]

Immer wieder wird in der öffentlichen Diskussion die Behauptung aufgestellt, dass die Mineralölgesellschaften die Benzinpreise zu Beginn der Reisezeit respektive der Schulferien erhöhen um abzukassieren (Vgl. Focus 2007). Im Rahmen dieser Arbeit soll deshalb untersucht werden, in wie weit ein Zusammenhang zwischen der Ferienzeit und dem Benzinpreis besteht bzw. ob sich statistisch signifikante Abhängigkeiten identifizieren lassen. Dabei wird nicht nur geprüft, ob zu Beginn von Schulferien außergewöhnliche Veränderungen des Benzinpreises feststellbar sind, sondern auch, ob nach Ende der Ferien ein Rückgang des Benzinpreises erkennbar ist. Die Analyse wird exemplarisch an der Benzinsorte "Eurosuper" durchgeführt.

Zunächst werden die einbezogenen Datensätze detailliert beschrieben. Darauf aufbauend wird ein Überblick über die Daten gewährt, der Umgang mit fehlenden Werten sowie die Besonderheiten der Daten und der weitere Umgang mit diesen diskutiert. Anschließend werden noch Extremwerte identifiziert und besondere Einflüsse auf die Daten wie Steueränderungen behandelt. Danach werden auch anhand einer Reihe von Transformationen mögliche Zusammenhänge zwischen dem Benzinpreis und Schulferien in Deutschland untersucht. Abschließend werden die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst.


Datensatz[edit]

Als Datengrundlage für diese Arbeit dienen zum einen die vom Energieinformationsdienst (EID) wöchentlich erhobenen Eurosuper-Tankstellenpreise für Deutschland zwischen der 53. Kalenderwoche (KW) 1998 und der 23. KW 2008 (Besonderheit: 1998 und 2004 haben 53 KWs). Der EID befragt einmal wöchentlich die vier A-Mineralölgesellschaften (die marktführenden Gesellschaften) bezüglich ihrer Eurosuperbenzinpreise (pro Liter) für Deutschland (im Abschnitt "Deskriptive Statistik" wird nochmals genauer auf das Befragungsverfahren eingegangen). Da die Eurosuperpreise bis zur 52. KW 2001 in Deutsche Mark (DM) angegeben sind, wurden zur Vereinheitlichung der Preiseinheiten Umrechnungen in Euro (€) anhand des festgesetzten Kurses, 1 € = 1,95583 DM (Vgl. Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft 1998), durchgeführt. Um eine möglichst hohe Repräsentativität der Benzinpreise für Deutschland zu erzielen, werden im Rahmen dieser Arbeit nicht die Einzelpreise der Gesellschaften eingehend analysiert, sondern Durchschnittspreise der Gesellschaften (im Abschnitt "Deskriptive Statistik" wird die Bildung des Durchschnittspreises sowie der Einfluss des Ersetzens fehlender Werte auf die Durchschnittspreise diskutiert). Außerdem werden die Veränderungsraten der aggregierten Eurosuperdurchschnittspreise zum jeweiligen Vortag in die Analyse einbezogen.

Weiterhin werden allen zu untersuchenden KWs, in denen an mindestens drei von fünf bzw. vier von sechs (inklusive Samstag) Schultagen Ferien (inkl. Feiertage) sind, Merkmale bzw. Zahlen zugeordnet und somit zunächst eine Variable – "Bevölkerung in Ferien 1" – erzeugt. Die Feriendaten stammen aus den Veröffentlichungen der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in Deutschland. Bei der Variable "Bevölkerung in Ferien 1" werden den KWs Zahlen zugeordnet, die der Summe der prozentualen Anteile der Bevölkerung eines jeden Bundeslandes mit Ferien an der gesamten Bevölkerung für Deutschland entsprechen. D.h. in einer Woche in der die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern Ferien haben besitzt die Variable "Bevölkerung in Ferien 1" den Wert 28,30% (Baden-Württemberg + Bayern = 13,07% + 15,23%). Die Bevölkerungsdaten beziehen sich auf den 31.12.2007 und stammen aus dem Sachgebiet „Fortschreibung des Bevölkerungsstandes“ (Code 12411) der GENISIS-Datenbank des Statistischen Bundesamtes. Die Variable "Bevölkerung in Ferien 1" wurde in der beschriebenen Weise zur Überprüfung der ausgewählten Thematik gewählt, da angenommen wird, dass Preissteigerungen von Benzin, die in einem direkten Zusammenhang mit Schulferien stehen, eine gewisse Menge an Personen mit Ferien voraussetzen. Es wurde somit durch die erzeugte Variable eine approximative Verbindung zwischen Ferien und deren Relevanz für wöchentliche, bundesdurchschnittliche Benzinpreise hergestellt, die sonst durch die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Ferienzeiten nicht eindeutig bestimmt worden wäre. So kann nun mit der Variablen "Bevölkerung in Ferien 1" eine KW als Ferienwoche identifiziert und bestimmt werden, wenn beispielsweise mindestens 1/3 der Bevölkerung in Deutschland Ferien hat. Da die folgenden Analysen für verschiedene "Ferien-Schwellenwerte" und mit Transformationen dieser Variablen durchgeführt werden, werden zu gegebener Zeit genaue Festlegungen getroffen bzw. Erläuterungen der Transformationen gegeben.


Deskriptive Statistik und fehlende Werte[edit]

Wie im vorhergehenden Abschnitt beschrieben wurde befragt der EID einmal wöchentlich vier Mineralölgesellschaften bezüglich ihrer Eurosuperbenzinpreise in Deutschland. Die Befragung wird hauptsächlich am Donnerstag durchgeführt, wobei beispielsweise bedingt durch Feiertage auch andere Tage innerhalb einer Woche gewählt wurden. So wurde im Betrachtungszeitraum von 493 Wochen ein Mal montags, ein Mal dienstags und 28 Mal mittwochs Befragungen durchgeführt. Der Befragungszeitpunkt ist bei diesen Daten so entscheidend, da aus den Daten nicht ersichtlich ist auf welchen Zeitpunkt bzw. Zeitraum sich die Preise der einzelnen Gesellschaften innerhalb einer Woche beziehen. Außerdem ist nicht bekannt, welche örtliche Relevanz die Preise besitzen bzw. wie der bundesdurchschnittliche Preis je Gesellschaft berechnet wurde. Im Weiteren wird nun angenommen, dass die Preise je Gesellschaft sich auf die jeweilige Wochenmitte beziehen und somit die Preise sich zeitlich innerhalb einer Woche nicht unterscheiden (konstante Abstände zwischen den Beobachtungszeitpunkten), sowie dass die Preise der einzelnen Gesellschaften mit Hilfe identischer Verfahren berechnet wurden. Diese Annahmen müssen bei einer adäquaten Analyse von Zeitreihendaten getroffen werden (Vgl. Toutenburg / Heumann 2006). Ein Indiz für diese Annahmen ist, dass nur 14,20% (70 von 493) der Preise der vier Gesellschaften einer Woche eine höhere Standardabweichung (Std.abw.) als einen Eurocent besitzen (2,84% (14 von 493) eine Std.abw. größer als 1,5 Eurocent und 0,61% (3 von 493) eine Std.abw. größer als 2 Eurocent).
Schaubild 1: Fehlende Werte - Ausgangsdaten

Wie aus Schaubild 1 ersichtlich ist sind in den Originaldaten der Mineralölgesellschaften A, B und D nur relativ wenig fehlende Werte. Bei der Mineralölgesellschaft C sind verglichen mit den anderen Gesellschaften relativ viele fehlende Werte, wobei diese vor allem darauf zurückzuführen sind, dass ab der 25. KW 2007 bis zum Ende der Betrachtungsperiode (23. KW 2008, Zeitraum: 51 Wochen) keine Werte vorhanden sind. Um diesem Rechnung zu tragen und eine möglichst lange, originale Zeitreihe analysieren zu können, wird bei der weiteren Analyse auf Basis eines Durchschnittspreises mehrerer Gesellschaften die Gesellschaft C ausgeschlossen. Zwar muss dadurch ein Verlust der Repräsentativität in Kauf genommen werden, allerdings dürfte dieser auf Grund der oben betrachteten Streuungen hinnehmbar sein. Die für die weitere Analyse zugrundegelegten Eurosuperdurchschnittspreise werden somit anhand der Gesellschaften A, B und D auf Basis des arithmetischen Mittels berechnet (eine Gewichtung anhand der Marktrelevanz der einzelnen Gesellschaften ist nicht möglich, da aus den Daten nicht eindeutig hervorgeht, um welche Gesellschaften es sich jeweils handelt).

Weiterhin ist bei den fehlenden Werten auffällig, dass 6 fehlende Werte je Gesellschaft bei allen Gesellschaften denselben Zeitpunkt betreffen (34. KW 1999 – z.T. Sommerferien in Deutschland, 51. KW 1999 und die 52. KW der Jahre 2001 bis 2004 – z.T. Weihnachtsferien). Da diese fehlenden Werte zeitlich gesehen die Ferien bzw. den Untersuchungsgegenstand der Analyse betreffen, muss dieser Umstand bei den weiteren Analysenschritten bedacht werden – insbesondere nach der Ersetzung dieser fehlenden Werte. Für viele Verfahren im Zusammenhang mit der statistischen Auswertung von Zeitreihendaten wird – neben der Konstanz der Abstände der Beobachtungzeitpunkte – vorausgesetzt, dass alle Werte innerhalb der Betrachtungsperiode vorhanden sind (Vgl. Toutenburg / Heumann 2006). Aus diesem Grund werden die fehlenden Werte in den Ausgangsdaten der einzelnen Gesellschaften im Weiteren mit Hilfe der "linearen Interpolation" ersetzt und daraus dann die zu analysierenden Durchschnittspreise berechnet. Bei der linearen Interpolation werden fehlende Werte auf Basis der jeweils voraus- und nachfolgenden Werte berechnet (arithmetisches Mittel aus den Periodenwerten (t-1) und (t+1), vgl. Kähler 1998). Dies ist unproblematisch für einzelne fehlende Werte innerhalb einer Woche, da die dadurch unter Umständen entstehenden Verzerrungen in den Daten je Gesellschaft bei der Berechnung eines Durchschnittspreises auf Basis der drei Mineralölgesellschaften abgeschwächt werden. Bei den sechs Zeitpunkten bei denen für keine der Gesellschaften Eurosuperbenzinpreise vorhanden sind, kann die lineare Interpolation von fehlenden Werten grundsätzlich dazu führen, dass lokale Maxima bzw. Minima geglättet werden. Allerdings muss dies hier im Sinn einer adäquaten Analyse von Zeitreihendaten in Kauf genommen werden und außerdem spricht die Betrachtung der Einzeldaten um die Zeitpunkte der fehlenden Werte bei den meisten KWs gegen diese Möglichkeit. Weitere mögliche Werte zur Ersetzung von fehlenden Werten wie Zeitreihenmittelwert, "Mittelwert oder Median mehrerer Nachbarpunkte", sowie "Linearer Trend am Punkt" scheinen bei der Betrachtung der Daten als einheitliche Methoden für alle fehlenden Werte nicht geeignet.

Betrachtet man nun die in der beschriebenen Weise bearbeiteten und auf Grundlage der Einzelpreisen der Gesellschaften A, B und D berechneten Eurosuperdurchschnittspreise (arithmetisches Mittel) im Zeitraum von der 53. KW 1998 bis zur der 23. KW 2008 für Deutschland sieht man im Sequenzdiagramm (Schaubild 2) eine klar steigende Tendenz der Benzinpreise. Allerdings kann zumindest zunächst nicht beobachtet werden, dass der Eurosuperbenzinpreis im gesamten Beobachtungszeitraum einem klaren Muster unterliegt bzw. dass sich sowohl die Höhe als auch die Breite der Preisschwankungen von Jahr zu Jahr ähneln. Damit ist auch gemeint, dass beispielsweise zur Jahresmitte die Preise nicht auf Grund der Sommerferienzeit bestimmten wiederkehrenden Steigerungen unterliegen. Dies wird auch nochmals durch Schaubild 4, in dem die relativen, wöchentlichen Veränderungen des Eurosuperdurchschnittspreises abgebildet sind (Berechnung: z.B. ∆ Preis [1. KW 1999] = { ( [Preis [53. KW 1998] / Preis [1. KW 1999] ) - 1 } * 100), verdeutlicht. Aus dem Schaubild 3 ist noch ersichtlich, dass es zwei verschiedene Gruppen von Jahren gibt - Jahre in denen der Preis vorwiegend stieg und Jahre in denen der Preis auf einem Niveau verharrte. Betrachtet man nun die jährlichen Veränderungsraten des Preises (siehe Schaubild 5) wird klarer, dass in den Jahren 1999, 2002, 2005 und 2007 aggregiert betrachtet Niveauverschiebungen des Eurosuperpreises stattfanden und in den restlichen Jahren die Preise stagnierten. Allerdings ist z.B. im Jahr 2001 aggregiert ein leichter Rückgang des Preises zu verzeichnen und trotzdem erreichte der Preis Werte zwischen 94,284 (Min 2001) und 113,626 Eurocent (Max 2001).

Schaubild 2: Entwicklung des Eurosuperdurchschnittspreises 1
Schaubild 3: Entwicklung des Eurosuperdurchschnittspreises 2
Schaubild 4: Wöchentliche Veränderung des Eurosuperdurchschnittspreises (relativ, in Eurocent)
Schaubild 5: Jährliche Veränderungsraten des Eurosuperdurchschnittspreises

Im Gegensatz zu den Eurosuperdurchschnittspreisen sind bei der Variablen "Bevölkerung in Ferien 1" Muster anhand eines Oberflächendiagramms erkennbar (siehe Schaubild 6). So erstrecken sich die Weihnachtsferien im gesamten Beobachtungszeitraum bei Betrachtung aller Bundesländer über fünf verschiedene Wochen (52. - 3. KW), wobei die "meisten Menschen" (ausgehend von den vorherigen Erläuterungen) in Deutschland in der 52. und 1. KW Weihnachtsferien haben. Die Osterferien liegen im gesamten Beobachtungszeitraum zwischen der 11. und 19. KW und erstrecken sich somit über einen relativ großen Zeitraum. Allerdings sind in jedem Jahr genau zwei Wochen Ferien für mindestens 2/3 aller Personen. Bei den Sommerferien ist ein deutlicher "Kernbereich" (grün) und ein deutlicher "Übergangsbereich" (rot) von Ferien zu sehen, die sich in allen Jahren über einen ähnlichen Zeitraum erstrecken. Diese Bereiche sind bei den Sommerferien logischerweise am größten und es wird deutlich, dass die Definition von für bundesdurchschnittliche Benzinpreise relevanten Ferienzeiträumen wichtig, aber auch schwierig, ist. Bei den Herbstferien sind keine Wochen zu sehen, bei denen mehr als 2/3 der Personen Ferien haben, dies ist bei den Pfingstferien und Himmelfahrt noch extremer. Bei den Winterferien sind überhaupt keine Wochen identifizierbar, bei denen mehr als 1/3 der Bevölkerung Ferien hat. Mit Hilfe von Schaubild 6 ist deutlich erkennbar geworden wie schwierig die Analyse von wöchentlichen Benzinpreisen und Ferien ist, da schon die Definition und die Festlegung der Zeiträume von Ferien problematisch ist. Auf Grund dessen werden wie bereits angekündigt verschiedene Szenarien durchgespielt.

Schaubild 6: Bevölkerung in Ferien 1


Ausreißeridentifikation und besondere Einflüsse[edit]

Schaubild 7: Extremwerte der relativen, wöchentlichen Veränderungen des Eurosuperdurchschnittspreises
Schaubild 8: Extremwerte und besondere Einflüsse

Bisher wurden bei der Analyse der Eurosuperdurchschnittspreise Extremwerte und besondere Einflüsse nicht berücksichtigt. Im Weiteren wird dies nun für die relativen, wöchentlichen Veränderungen des Eurosuperdurchschnittspreises gemacht. Zunächst werden einmal grundsätzlich alle Extremwerte mit Hilfe eines "Boxplots" sichtbar gemacht (siehe Schaubild 7). Es gibt acht obere Extremwerte und viere untere Extremwerte (3 dots, 1 star).

Nun stellt sich die Frage, in wie weit die Extremwerte durch besondere Einflüsse erklärt werden können. In Schaubild 8 sind deshalb u.a. die Extremwerte, die Ferien (jeweils der gesamte Ferienabschnitt) und mögliche besondere Einflüsse dargestellt. Als besondere Einflüsse auf die Benzinpreisdaten werden hier Steueränderungen (Mineralölsteuer / Ökosteuer und Mehrwertsteuer, Vgl. Bundesumweltamt 2002), Zwangsbeimischungen von Biokraftstoffen (Vgl. ADAC 2009) sowie die Interpolation aller Werte der Mineralölgesellschaften einer Woche angesehen. Da eine Steueränderung zu einer Veränderung des Benzinpreises führt, die nicht im Zusammenhang mit Ferien steht, müssen diese Einflüsse besonders behandelt werden. Im Folgenden wird nun auf die Extremwerte sowie die besonderen Einflüsse eingegangen:

Laufende Nummer (Lfd. Nr.):

  1. Der Extremwert in der 13. KW 1999 ist klar auf eine Mineralölsteuererhöhung zurückzuführen, da der Preis ohne diese Steuererhöhung nur um 1,53% gestiegen wäre - um 3,07 Eurocent weniger. Die Beobachtung befindet sich zeitlich gesehen in der ersten "Hauptferienwoche" der Osterferien (als Hauptferienwoche werden im Weiteren Ferienwochen bezeichnet, bei denen die Variable Bevölkerung in Ferien 1 einen Wert von mehr als 66,65% hat). Da dieser Extremwert eine Benzinpreiserhöhung zu Ferienbeginn in den weiteren Analysen unberechtigter Weise bestätigen könnte, wird der Wert 5,32% durch den bereinigten Wert 1,53% ersetzt.
  2. In der 51. KW 1999 wurde der Durchschnittspreis auf Grund von fehlenden Werten für alle Mineralölgesellschaften linear interpoliert. Da in der Analyse der Ferienbeginn betrachtet wird und in dieser Woche nur 6,09% der Bevölkerung Ferien haben, müssen in dieser Woche keine Anpassungen des Wertes vorgenommen werden (Wert ist auch nicht ungewöhnlich hoch/niedrig). Im Weiteren wird von Ferien ausgegangen, wenn mindestens 33,34% der Bevölkerung Ferien haben. Zwischen 33,33% und 66,66% werden bei der "Variablen Bevölkerung in Ferien 1" Ferienwochen als "Nebenferienwochen" bezeichnet. In der 1. KW 2000 ist trotz einer Mineralölsteuererhöhung kein Extremwert beim Eurosuperdurchschnittspreis zu erkennen. Es wird allerdings wie bei der Lfd. Nr. 1 verfahren und der Wert 2,43% durch den Wert -0,76% ersetzt.
  3. 1. KW 2001: Verfahren wie bei 1. KW 2000 → 0,80% wird durch -2,32% ersetzt. Der Extremwert in der 3. KW 2001 kann nicht durch die erwähnten besonderen Einflüsse erklärt werden. Zwar tritt dieser Wert auf wenn die so genannten Haupt- bzw. Nebenferienwochen von Weihnachten schon zwei Wochen vorbei sind, trotzdem kann er zu Verzerrungen bei der Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Ferien und Benzinpreisen führen. Deshalb wird dieser Wert entfernt. (Zunächst wurde auf Grund der oben beschriebenen Analysebedingungen eine vollständige Zeitreihe von Daten erzeugt. Im Zuge der dann im Weiteren gewonnenen Erkenntnisse und einer adäquaten folgenden Analyse wird dieser Ansatz nun nicht mehr weiterverfolgt.)
  4. 39. KW 2001: Verfahren wie bei 3. KW 2001.
  5. 52. KW 2001 bis 2. KW 2002: Entfernung aller Beobachtungen auf Grund der Häufung von problembehafteten "Ferienwerten".
  6. 52. KW 2002 bis 1. KW 2003: Entfernung aller Beobachtungen auf Grund der Häufung von problembehafteten "Ferienwerten".
  7. 50. KW 2004: Verfahren wie bei 3. KW 2001. 52. KW 2004: Verfahren wie bei 51. KW 1999
  8. 14. KW 2005: Verfahren wie bei 3. KW 2001.
  9. 35. KW 2005: Verfahren wie bei 3. KW 2001.
  10. 43. KW 2005: Verfahren wie bei 3. KW 2001.
  11. 1. KW 2007: Verfahren wie bei 3. KW 2001. Eine geeignete Neuberechnung der Veränderung des Eurosuperdurchschnittspreises ist auf Grund der Mehrwertsteuererhöhung und der Zwangsbeimischung von Biokraftstoff im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich.
  12. 9. KW 2009: Verfahren wie bei 3. KW 2001.
  13. Bei allen Wochen mit Extremwerten bei dieser Lfd. Nr.: Verfahren wie bei 3. KW 2001.

In vielen Fällen wurden die Extremwerte bzw. Werte mit besonderem Einfluss auf Grund von fehlenden adäquaten Werten zur Ersetzung entfernt. Möglicherweise können dadurch Verzerrungen der weiteren Ergebnisse verursacht werden. Allerdings werden diese auf Grund der relativ geringen Anzahl gemessen an allen Beobachtungen wahrscheinlich gering sein.


Zusammenhangsanalyse[edit]

Nun werden die im vorherigen Abschnitt modifizierten, relativen, wöchentlichen Veränderungen des Eurosuperdurchschnittspreises und die Variable "Bevölkerung in Ferien 1" sowie Variationen der Variablen "Bevölkerung in Ferien 1" auf Zusammenhänge hin überprüft. Mit Hilfe der gewählten Variationen, die die hier definierten Neben- bzw. Hauptferienwochen im Blick haben, können somit verschiedene "Ferienschwellenwerte" in die Analyse mit einbezogen werden. Die erste Variation der Variablen "Bevölkerung in Ferien 1" ist die Variable "Bevölkerung in Ferien 2". Sie wurde wie folgt generiert:

"Bevölkerung in Ferien 2":

  • Wert der Variablen 1 < 33,34% → Wert der Variablen 2 = 0
  • Wert der Variablen 1 > 33,33% & < 66,66% → Wert der Variablen 2 = 1
  • Wert der Variablen 1 > 66,65% → Wert der Variablen 2 = 2

Wie aus Schaubild 9 ersichtlich ist besteht zwischen der Variablen "Bevölkerung in Ferien 1" und der relativen, wöchentlichen Veränderungsrate des Eurosuperdurchschnittspreises kein eindeutiger Zusammenhang. Egal wie viele Personen Ferien haben oder nicht, der wöchentliche, bundesdurchschnittliche Benzinpreis steigt und fällt. Auch durch Schaubild 10 bei der die kategorisierte Variable "Bevölkerung in Ferien 2" und die prozentualen Veränderung des Benzinpreises dargestellt sind, kommt man zu keinem anderen Ergebnis. Damit kann auf Grundlage der gewählten Daten nicht gefolgert werden, dass der Benzinpreis im Bezug auf Schulferien einem speziellen Muster unterliegt. Ein mögliches, zu erwartendes Muster wäre beispielsweise gewesen, dass wenn mehr als 2/3 der Personen Ferien haben der Benzinpreis nicht sinkt. Auch verschiedene "Schwankungsbreiten" unter der Bedingung einer unterschiedlichen Zahl von Personen in Ferien können nicht festgestellt werden (Es wurden auch nichtparametrische Tests zur statistischen Validierung durchgeführt).

Schaubild 9: Streu-/Punktdiagramm 1
Schaubild 10: Streu-/Punktdiagramm 2

Um noch prüfen zu können, ob zu Ferienbeginn die Benzinpreise steigen bzw. in der ersten Woche nach Ferienende die Benzinpreise sinken, werden nun die Variablen "Bevölkerung in Ferien 3 & 4" auf Basis der Variablen "Bevölkerung in Ferien 1" generiert.

"Bevölkerung in Ferien 3":

  • Wert der Variablen 1 zum Zeitpunkt t < 33,34% → Wert der Variablen 3 = 0
  • Wert der Variablen 1 zum Zeitpunkt t > 33,33% & < 66,66% sowie Wert der Variablen 1 zum Zeitpunkt t-1 < 33,34% → Wert der Variablen 3 = 1
  • Wert der Variablen 1 zum Zeitpunkt t > 66,65% sowie Wert der Variablen 1 zum Zeitpunkt t-1 < 33,34% → Wert der Variablen 3 = 2

Mit Hilfe der so generierten Variablen kann untersucht werden, ob in einer Woche in der die Ferien beginnen bestimmte Veränderungen des Benzinpreises zu beobachten sind.

"Bevölkerung in Ferien 4"

  • Werte der Variablen 1 zu den Zeitpunkt t & t-1 < 33,34% → Wert der Variablen 4 = 0
  • Wert der Variablen 1 zum Zeitpunkt t < 33,34% sowie Wert der Variablen 1 zum Zeitpunkt t-1 > 33,33% & < 66,66% → Wert der Variablen 4 = 1
  • Wert der Variablen 1 zum Zeitpunkt t < 66,66% sowie Wert der Variablen 1 zum Zeitpunkt t-1 > 66,65% → Wert der Variablen 4 = 2

Mit Hilfe der so generierten Variablen kann untersucht werden, ob in einer Woche nach Ende der Ferien bestimmte Veränderungen des Benzinpreises zu beobachten sind.

Bei der Betrachtung der Schaubilder 11 & 12 wird klar, dass auf Basis der Daten bzw. der generierten Variablen kein Zusammenhang zwischen dem Ferienbeginn bzw. Ferienende und der Höhe des Benzinpreises für Deutschland auf wöchentlicher Basis besteht. Denn sowohl zu Beginn der Ferien als auch nach Ende der Ferien verändern sich die Benzinpreise nahezu in identischem Maß wie in Schulwochen. Auch durch Verschiebung der als Ferienbeginn bzw. -ende deklarierten Wochen, kann keine andere Antwort gegeben werden. So konnte nicht nachgewiesen werden, dass zu Beginn der Ferien der Benzinpreis steigt oder von den Mineralölgesellschaften grundsätzlich erhöht wird. Außerdem konnte nicht gezeigt werden, dass nach Ende der Ferien die Preise zumindest tendenziell sinken. Die bisher gewonnen Erkenntnisse führen zu dem Schluss, dass mit den hier analysierten Daten auch mit Hilfe von weiteren statistischen Analysemethoden keine anderen Ergebnisse erzielt bzw. noch nicht identifizierte Zusammenhänge erkannt werden können.

Schaubild 11: Streu-/Punktdiagramm 3 - Ferienbeginn
Schaubild 12: Streu-/Punktdiagramm 4 - Ferienende


Fazit[edit]

Im Rahmen dieser Arbeit sollte untersucht werden, in wie weit Zusammenhänge zwischen der Ferienzeit und dem Benzinpreis bestehen. Dabei wurde auch geprüft, ob zu Beginn von Schulferien außergewöhnliche Veränderungen des Benzinpreises feststellbar sind und, ob nach Ende der Ferien ein Rückgang des Benzinpreises erkennbar ist. Es konnte die in der öffentlichen Diskussion aufgestellte, allgemeine Behauptung, dass die Mineralölgesellschaften die Benzinpreise zu Beginn der Reisezeit respektive der Schulferien erhöhen um abzukassieren (Vgl. Focus 2007), nicht bestätigt werden. Ein Nachweis dieser Behauptung am Beispiel der Benzinsorte "Eurosuper" konnte möglicherweise nicht erbracht werden, da die zugrunde gelegten Benzindaten auf wöchentlicher Basis sind, die Daten modifiziert bzw. angepasst (z.B. Gesellschaftsauswahl, Umgang mit fehlenden Werten und Ausreißern, Durchschnittsberechnung) wurden und einige Annahmen getroffen werden mussten, die möglicherweise nicht gerechtfertigt waren. Besonders schwierig und problematisch war die Deklarierung einer Kalenderwoche als Ferienwoche. Allerdings wurde alles unternommen, um die beschriebenen Probleme zu bewältigen. Es besteht damit auf Grundlage dieser Arbeit kein Zusammenhang zwischen Ferien und Benzinpreisen, denn zu Ferienbeginn stiegen als auch fielen die Preise in nahezu identischer Häufigkeit und Stärke. Dies ist auch im Hinblick auf den sehr volatilen Benzinpreis in Deutschland nachvollziehbar. Interessant wäre es nun mit einer weiteren Analyse zu prüfen, ob sich andere Ergebnisse bei der Verwendung von Benzinpreisdaten auf täglicher Basis oder Preisen pro Bundesland ergeben.


Literatur und Datenquellen[edit]

Literatur[edit]

ADAC (2009): Kraftstoffpreise: Wie entstehen sie?, http://www.adac.de/Auto_Motorrad/Tanken/zahlen_fakten/Entstehung_des_Krafstoffpreises/default.asp?TL=2&Print=True.

Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft (1998): Verordnung (EG) Nr. 2866/98 des Rates vom 31. Dezember 1998, ABl. EG Nr. L 359, S. 2.

Focus (2007): Benzinpreise – Mineralölwirtschaft am Pranger, 21.06.07, http://www.focus.de/auto/unterwegs/benzinpreise_aid_64066.html.

Kähler, W.-M. (1998): SPSS für Windows – Eine Einführung in die Datenanalyse für die aktuelle Version, 4. Auflage, Vieweg, Braunschweig, Wiesbaden.

Toutenburg, H. / Heumann, C. (2006): Deskriptive Statistik – Eine Einführung in Methoden und Anwendungen mit SPSS, 5. Auflage, Springer, Berlin, Heidelberg, S. 207-219.

Umweltbundesamt (2002): Ökosteuer - sparen oder zahlen?, Berlin, S.9, http://www.umweltdaten.de/medien/oekostb.pdf.


Datenquellen[edit]

Energie Informationsdienst (EID): "Tankstellenpreise - Eurosuper Bundesdurchschnittspreise".

GENESIS Online-Datenbank: "Sachgebiete".

Kultusministerkonferenz: „Ferienübersichten für die Schuljahre 1952/53 bis 2007/08“.